Hamburg Marathon 2011 – Hitziges Debut 26. Mai 2011
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| Type: | Run – General |
| Duration: | 4:04:40 |
| Distance: | 42.54 km |
Es ist der 22.Mai 2011 um 8:30 und ich stehe bei strahlendem Sonnenschein in der Startaufstellung für den Hamburg Marathon. Hätte mir das vor fünf Jahren jemand das gesagt, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Besonders, wenn er hinzugefügt hätte, dass ich knapp fünf Stunden später und nach 42km Wegstrecke im Ziel bin. Denn zu dieser Zeit hatte ich noch das Motto: “No Sports!” – wie sich Zeiten und Einstellungen ändern können.
Doch nun der Reihe nach. Ich stehe im Startblock I und halte gespannt Ausschau nach Heiko (@bartlog) vom #twitterlauftreff. Er hatte sich Tags zuvor angeboten mich beimeinem Marathon-Debut zu begleiten. Leider hatten wir nicht den gleichen Startblock, so dass die Absprache war, wenn wir uns am Start nicht sehen sollten, ich ihn am rechte Streckerand laufend einholen könne.
Meine Nervosität war dann doch so groß, dass ich noch etwas in die Dixi-Klos bringen musste, bevor der Startschuß fiel (in Hamburg traditionell kein Schuß, sondern das Läuten einer Schiffsglocke). Die Sonnenstrahlen auf der Schulter waren schon fast unangenehm, so warm war es zu dieser Zeit. Als dann endlich mein Startblock auf die Reise geschickt wurde, habe ich mich zunächst von der Euphorie tragen lassen und bin zu schnell angegangen. Der Blick auf meine Garmin-Uhr nach den ersten 500m, zeigte eine Pace von 5:05 min/km. Das war eindeutig über meiner angepeilten Pace von 5:51 min/km. Ich hatte mir ausgerechnet (bzw. rechnen lassen), dass ich mit dieser Pace und einer langsamen Steigerung im zweiten Teil auf einer Endzeit von 4:05 landen würde.
Ich musste mich dann langsam wieder einfangen, um auf die geplante Pace zurück zu kommen. Das abbremsen wurde dadurch “erleichtert”, dass ich kurzzeitig an der rechten Schienbeinaußenseite verkrampfte. Das ist mir in den vergangenen 900 Trainingskilometern nicht einmal passiert und jetzt das! Nach 2km bin ich dann zu Heiko aufgeschlossen, den fröhlich mit seinem Handy die Stimmung an der Strecke einfing. Ich hatte ebenfalls eine Kamera mit, um einen ersten Marathon zu dokumentieren. In den folgenden ca. 10 km ließ sich Heiko öfters zurückfallen oder lief einige Meter nach vorne, um an der Strecke zu fotografieren. Das imponierte mir als Neuling schon sehr, da ich von meinen Halbmarathonstarts wußte, wie anstrengend es ist, immer abzubremsen und neu Fahrt aufzunehemen.
Nach der ersten Wasserstelle bei km 5 war dann auch die Verkrampfung im rechten Schienbein gelockert und ich konnte ein konstantes Tempo angehen. Die Strecke auf der Elbchaussee ist auch besonders angenehm, weil durch die hohen Bäume sowohl schattig, als auch windgeschützt ist. Kurz von km 10 erreicht das Läuferfeld den Fischmarkt. Von hier bis zu den Landungsbrücken ist eine super Stimmung, die Zuschauer stehen in mehreren Reihen an der Strecke. Meine 10km Zwischenzeit lag mit 0:58:11 im Bereich meiner Vorgaben.
Kurz vor dem Wallingtunnel in der Nähe des Hauptbahnhofs haben dann Heiko und ich den Zeitläufer für 4:15 überholt, allerdings hatte dieser schon seinen Luftballon verloren, so dass nur an dem Aufdruck auf seinen Kompressionsstrümpfen zu erkennen war, welche Zeit er läuft. Den folgenden Streckenabschnitt zwischen Jungfernstieg und Schöne Aussicht fand ich besonders angenehm. Die Strecke war breit genug und nicht allzu kurvig, man konnte es gut “rollen” lassen.
Besonders cool sind die Zuschauer hier im Bereich dieses Nobelviertels an der Außenalster, stilvoll betrachtet man das Laufspektakel beim Sektfrühstück am Streckenrand. Auf den nächsten 3 km bis zur Halbmarathondistanz wurde die Hitze doch unangenehm, obwohl ich sie jetzt besser wegstecken konnte als vor 6 Wochen beim Prag Halbmarathon. Meine Halbmarathonzeit lag bei 2:00:30 und somit ca. 2 1/2 Minuten schneller als veranschlagt.
Ab km 22 geht es am Stadtpark vorbei und an der U-Bahn Station “Saarlandstrasse” ging richtig die Post ab. Trotz des Pushes durch die Zuschauer merkte ich allerdings, dass ich so langsam an einen “toten Punkt” komme. Ideale Gelegenheit einen meiner Gelpacks zu knacken. Ein, zwei Kilometer später war der Hänger auch überwunden und ich konnte mein bisheriges Tempo wieder aufnehmen. Was auch dringend notwendig war, denn ca. ab km 25 verläuft die Streck durch ein etwas ödes Büroviertel. Der Zuschauerzuspruch hier ist erheblich geringer und das Laufen auf den schattenfreien Strassen bei Temperaturen von mittlerweile ca. 26° C wurde langsam anstrengend.
Da traf es sich gut, dass der Streckenverlauf ab km 28 in der Nähe der Alster durch eine parkähnliche Gegend führt, in der die hohen Bäume reichlich Schatten spendeten. Und dann am nördlichsten Punkt der Strecke folgt der absolute Hammer! An der U-Bahn-Station “Ohlsdorf” standen die Zuschauer dicht gedrängt an der Strecke und das Dröhnen der Sambatrommeln riß einen förmlich mit: Ein “geiles Erlebnis”!
So schnell die Euphorie gekommen war, so schnell war sie auch wieder weg, denn ich befürchtete die Begegnung des “Manns mit dem Hammer” je näher ich km 35 kam. Also noch schnell das zweite Gelpack eingeworfen, um die Begegnug noch etwas hinauszuzögern. Die Strecke wurde wieder etwas eintöniger, wenn auch etwas abschüssiger. Heiko, der mich die ganze Zeit begleitete, hatte allerdings seit ca. 10km seine Fotosession abgebrochen, da sein Handy einen Wasserschaden hatte. Eine seiner Andeutungen habe ich dann so verstanden, dass ihm der Lauf mittlerweile auch keinen Spaß mehr macht und er sich erheblich quälen musste.
Im Streckenabschnitt zwischen “Eppendorfer Baum” und “Klosterstern” war wieder absolutes Gänsehautfeeling angesagt. Trotz langsam weicher werdender Beine, wird man durch die zahlreichen Zuschauer und die tolle Musik von NDR 90,3 nach vorne getrieben. Das ist auch bitter nötig, denn der kleine Anstieg nach der Wasserstelle und der Einmüdung zur Rothenbaumchaussee ist nach 37,5 km in den Beinen doch schon einigermaßen hart. An dieser Stelle habe ich dann auch irgendwie Heiko verloren.
In gespannter Erwartung, irgendwo am Rande der Strecke @VictoriaHamburg zu sehen, die ich tags zuvor kennengelernt habe, lief ich die Rothebaumchaussee hinunter. Ich könnte sie leider nicht am Streckenrand ausmachen, was mir in diesem Moment dann auch wieder ziemlich zweitrangig war, da mein Magen anfing zu rebellieren. Auf den folgenden 1,5 km musste ich mich eher darauf konzentrieren mich nicht zu übergeben als Zuschauer am Streckenrand zu identifizieren. Mit einer kurzen Gepause genau vor meinem Hotel bei km 40,5 ging dann auch die Übelkeit soweit weg, dass ich die verbleibenden 1,7 km gut hinter mich gebracht habe. Nach 4:04:39 habe ich dann glücklich und erschöpft den Zielstrich in der Glacischaussee überquert. Das war ein so tolles Erlebnis, dass es bestimmt nicht mein letzer Marathon gewesen sein wird.














Klasse geschrieben! Da ich die Strecke selbst gelaufen bin, kann ich die Eindrücke nur bestätigen!
LG Sven
Hallo Christoph,
schöner Bericht – da kann man sich super reindenken. Hatte schon fast vergessen, wie sich ein erster Marathon anfühlt. Herzlichen Glückwunsch zur Premiere und zu einem so konstanten Lauf! Und zur Aussage, dass es nicht der letzte war – nur drei Tage nach dem Marathon…
Bis zum nächsten #twitterlauftreff-Event!
Hach! Herr HipHop! Vielen Dank für Deine netten Erwähnungen – ich wünschte, ich hätte einen besseren Tag gehabt und Dich vor allem zum Ende unterstützen können. Und vielleicht habe ich mir (in Anbetracht des Wetters) zu viel zugetraut und hätte die Foto-Sprints besser weggelassen … in Köln und Frankfurt letztes Jahr hat das geklappt und Spaß gemacht … in Hamburg war es ein Fehler und im Nachhinein erscheint es einfach nur bekloppt
Du dagegen darfst Dich auf die Schultern geklopft fühlen! Sehr beeindruckend, wie routiniert und kontinuierlich Du die Strecke abgespult hast, der Hitze trotzend und noch locker Fotos aus der Hüfte schießend! Hätte meine Laufschuhe darauf verwettet, dass Du schon mehrere Marathons hinter Dir hast! Hut ab und Asche auf mein Haupt! Der Debutant hat dem ‘Erfahrenen’ gezeigt, wie man einen Marathon läuft! Viel Spaß bei Deinen nächsten Marathons, vielleicht nimmst Du mich ja mal wieder mit … Cheers/ Heiko
Klar darfst Du mit *lach*, aber nicht mehr dieses Jahr und nächstes nicht gleich
Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Debut! Die Frühjahrmarathons stehen dieses Jahr im Zeichen der Hitze. Umso höher zu bewerten, durchgezogen zu haben. Und im Bezug auf Deine bisherigen Laufleistungen, sind die 4:04 bei weit über 20 Grad ein sattes Pfund!
Ah, da ist er ja, der langersehnte Bericht!
Danke für die kleine Reise und nochmal herzlichen Glückwunsch, Herr Marathoninja, ja, ja, jaaaa!
Was für eine Punktlandung. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Debüt. Es ist enorm hilfreich, wenn man jemanden dabei hat, der einen “leitet”. Es zeigt aber auch die eigene Stärke, wenn man es am Ende ohne ihn schafft. Da ist beim nächsten die sub4 dann aber fällig
Komme leider erst jetzt dazu was zu schreiben…..
Ein toller Bericht – der viele Erinnerungen an Hamburg 2010 weckt.
Meine Startnummer ( 56 !!!! ) ist schon abgeholt und wird dann Sonntag früh am Bauch befestigt. Ich hoffe Tobias ( in orange ) und Frank ( in blau ) schaffen es in Duisburg unter 4:00h zu laufen.
Ich selber laufe mit zwei anderen Borbecker Raketen um 4:45h. Mal sehen ob wir unserem Forest Kurt eine neue Bestzeit bescheren
( bisher 4:58h )
Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet
Gerd
Alles Gute an DIch und die Raketen für Duisburg.
Vielleicht trifft man sich nächstes Jahr an gleicher Stelle oder auch früher
[...] vor meinem Marathondebut gar nicht erst auf den letzten „Metern“ Stress aufkommen zu lassen, habe ich mir [...]
[...] beim nächsten Mal besser machen will. Das es ein nächstes Mal geben wird, habe ich ja in meinem Bericht [...]
Wirklich ein toller Bericht und noch nachträglich Glückwunsch zum finish.
Wenn man das so liest, dann würde man am liebsten sofort loslaufen und nicht erst bis Ende April 2012 warten wollen.
Da ich mich nächstes Jahr in der gleichen Lage befinden werde, bin ich gespannt ob ich einen ähnlichen positiven Bericht verfassen kann oder es bei mir komplett anders läuft.
Grüße aus dem Lipperland
Jan
[...] der anderen #twitterlauftreffler gewartet und es waren einige hervorragende Ergebnisse dabei. Mein „Hamburg-Hase“ Heiko (@bartlog) hat mit 3:06 seine Erwartungen übertroffen. #twitterlauftreff-Staffel (v.l. [...]
[...] ich habe allerdings auch wichtige Ziele in diesem Jahr erreicht. Über allem steht natürlich mein erster Marathon am 22.05. in Hamburg. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Christina für den Trainingsplan und @bartlog für die [...]