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Fußball, Kunst und Industriekultur – Meine Tage im Revier 4. Juni 2011

Posted by HipHop_Runs in 2011, Ausflug, Urlaub.
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Deutscher Meister 2011 - BVB 09 Dortmund

Um vor meinem Marathondebut gar nicht erst auf den letzten „Metern“ Stress aufkommen zu lassen, habe ich mir vorsorglich Urlaub genommen. Die wertvollen Urlaubstage aber tatenlos zu Hause zu sitzen, ist auch keine gute Idee. So habe ich mir überlegt, schon einmal die halbe Strecke zurück zu legen und dem Ruhrgebiet einen Besuch erneuten abzustatten. Ich war bereits im letzten Jahr zur Ruhr.2010 dort und es hat mir sehr gefallen. Ich musste allerdings auch zugestehen, dass bei einem einzigen Besuch viele interessante Orte nicht dabei waren, die ich nun entdecken wollte.

Am Wochenende des 14.5. stand der letzte Spieltag der Fußballbundesliga auf dem Programm und Borussia Dortmund stand uneinholbar auf dem ersten Platz. Ich hatte mich zwar auch um Karten für das letzte Saisonspiel bemüht, aber bei 400.000 Anfragen und als Nicht-Vereinsmitgied war meine Chance denkbar gering. Ich bin ohne hin nicht der Typ für große Menschenansammlungen, so dass ich mir für den Sonntag (dem eigentliche Tag der Meisterfeier) ein Besuch in Düsseldorf vorgenommen habe. Wenn am Ende noch etwas Zeit ist, kann ich ja immer noch nach Dortmund fahren, so meine Gedanken.

NRW-Forum Düsseldorf

In Düsseldorf stand zunächst ein Besuch im NRW-Forum auf dem Programm. Ich hatte Anfang des Jahres eine Freikarte gewonnen und war neugierig auf das, was mich erwartete. Zu der Fotoausstellung „Zeitgeist und Glamour“ mit Jet-Set-Bildern 60er- und 70er-Jahre hatte ich allerdings nicht so den richtigen Zugang. Aufschlußreicher war da die kleine Zusammenstellung von Plattencovern und Videos zum Eurovison Song Contest, der tags zuvor in Düsseldorf ausgetragen wurde, im Ausstellungscafé.

Nach einem kurze Spaziergang am Rhein und durch die Altstadt habe ich noch die Kunstsamlung K20 besucht. Dort fand eine sehr bemerkenswerte Ausstellung des Fotografen Thomas Struth statt, die noch bis zum 19.06. dort zu sehen ist. Gezeigt werden großformatige Fotografien von tropischen Regenwäldern, die in ihrer Detailfülle einfach umwerfend sind. Zum Werk von Thomas Struth gehören ebenfalls beeindruckende Serien von Strassen- und Stadtansichten aus Düsseldorf, Chicago, Tokyo und aus Peru.

Meisterfeier an der B1

Nach dem Kunstgenuß hatte ich in der Tat noch genügend Zeit, um nach Dortmund zu fahren und zu schauen, wie der deutsche Fußballmeister sich feiert und gefeiert wird. Ich hatte eigentlich keinen festen Plan und habe mich einfach durch die Menschenmenge treiben lassen. Der Autocorso mit der Meisterschale war zwar schon vorbei, aber an der Westfalenhalle hatte man eine Bühne aufgebaut und bis 19.00 Uhr gab es Livemusik. An den zahlreichen Buden konnte man Bier oder Bratwurst bekommen, nur der Senf ist den Verläufern ausgegangen. Auf der gesamten B1 tanzten nur glückliche Fans in schwarz und gelb.

Der Montag ist taditionell der Tag an dem die Museen geschlossen haben. Hinzu kam noch Regenwetter, das meine Optionen zusätzlich einschränkten. Ich hatte mir einen Besuch in Wuppertaler Zoo als Alternative vorgenommen, bei Regen keine gute Idee. Der kleine Junge in mir wollte aber nochmal Schwebebahn fahren, das geht auch bei Regen. Also ab in der Zug nach Wuppertal und eine Strecke von Oberbarmen bis Vohwinkel mit der Schwebebahn gefahren. Einen kleinen Zwischenstopp habe ich noch am Hauptbahnhof gemacht, wo ich die am Samstag ergatterten Laufshirts an @projekt_i geschickt habe, der daraus die fantastischen #twitterlauftreff-Shirts macht. Außerdem war auf dem Markt noch ein Imbiß mit dem Ruhrgebietssnack schlechthin fällig: Currywurst.

Gasometer Oberhausen

Wie schlägt man bei Regen noch die Zeit tot? Einkaufen! Wo kann man das am besten? Im größten Einkaufzentrum des Ruhrgebiets! Also auf ins CentrO nach Oberhausen! Zumindest war es trocken, es gab Kaffee und was zu Essen. Naja, was macht man bei gefühlten 250 Läden, wenn man nichts zum shoppen hat? Man irrt ziellos umher. Ich hätte mir gerne das Gasometer Oberhausen angesehen, aber wie schon gesagt: Montags geschlossen.

Am Dienstag besserte sich das Wetter wieder etwas, zu mindest blieb der Regen aus und ich hatte mir das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum vorgenommen. Das Museum ist auf Grund seiner Art schon der Ort, durch den jede Schulklasse in NRW einmal durchgeschleust werden muß. Die Exponate sind zwar nicht veraltet, aber haben schon ein wenig Staub angesetzt. Auf jeden Fall sollte man an einer Führung durch das Besucherbergwerk teilnehmen. In landestypischem Dialekt und einem gewissen Sarkassmus wird dem Besucher der Kohleabbau in den letzten 100 Jahren näher gebracht. Besonders sehenswert, auch vor dem Hintergrund des letztjährigen Grubenunglücks, ist die Sonderausstellung über den Kupferbergbau in Chile.

Deutsches Bergbau Museum Bochum

Ich habe mich doch etwas länger im Bergbaumuseum aufgehalten als veranschlagt und hatte auch keine Lust mehr auf einen weiteren Museumsbesuch. So muß das Museum für Archäologie in Herne auf einen meiner nächsten Abstecher warten. Da sich das Wetter auch zunehmend besserte hatte ich den Plan einen kurzen Abstecher zu Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen zu machen. Ich war allerdings hier etwas zu spät, dass ein kompletter Besuch nicht mehr lohnte und ein Paar Fotos durch den Zaun genügen mussten.

Ruhrpanorama am Berger-Denkmal in Witten

Der Mittwoch startete bei bestem Wetter mit einer kleinen Joggingrunde rund um mein Quartier in Witten. Es ging zunächst zum Berger-Denkmal, einem Aussichtspunkt mit wunderschönem Panoramablick über das Ruhrtal, einer kleinen Runde durch den Park Hohenstein auf die andere Seite der Ruhr nach Witten-Bommern zur Zeche Nachtigall.

Den Rest des Tages wollte ich in Dortmund verbringen. Zunächst stand ein Besuch des Dortmunder U auf dem Programm. Das Gebäude, ursprünglich Teil der Dortmunder Union Brauerei, wurde in den letzten Jahren zu einem Kreativzentrum umgebaut und beherbergt nach seiner Eröffnung zur Ruhr.2010 das Museum am Ostwall. Das Museum hat eine kleine, aber feine Samlung zeitgenössischer Kunstobjekte der Künstlergruppen Fluxus und ZERO. Am bemerkenswertesten fand ich das Werk „kleiner Brandstifter“. Hier wurde in Anlehnung der Zauberer- oder Schaffnerutensilien für Kinder ein „Lernspielzeug“ für den angehenden Brandstifter zusammengestellt. Sehr verstörend und erheiternd zugleich.

Dortmunder U

Ebenfalls verstörend war die Ausstellung „Traum einer Ausstellung“ von Barbara Breitenfellner. Gezeigt wurden zwei Installationen, die Traumszenen zeigen. Zum einen eine Gallerie in der alle Bilder verkehrt herum hängen, man läuft also quasi an der Decke. Den Rest des Raumes füllt, eine mit Teppich bespannte Rampe auf der ein verbeulter Sportwagen steht, aus. Die zweite Installation steckt voller Anspielungen auf Joseph Beuys. Um diese Anspielungen richtig einordnen zu können muss der Besucher allerdings den Ausstellungsflyer lesen oder in gewisser Weise Insider im Kunstbetrieb sein. Es handelt sich um mehrere Teile aus dem Zirkusequipment, einer Hebebühne auf der ein mit einer Anglerweste bekleidete Gorillafigur mit Boxhandschuhen steht. Im Hindergrund befindet sich eine Wand mit ca. 1000 Glühbirnen, wie man sie von Schaustellerwagen kennt, die rhythmisch blinken. Untermalt wird alles durch das Geräusch von Turbinen oder abwechseln dem Lachen des Publikums, wie man es aus Sit-Coms kennt.

Da ich mich im Kunstbuisness nicht so auskenne, erschließen sich mir nicht alle Anspielungen, ich nehme das Werk als eine Visualisierung eines schrägen Traums war und freue mich, welch wunderbare Gedanken dem menschlichen Gehirn entspringen können.

Borsigplatz

Den Abschluß der Woche im Revier bildet noch einmal ein Abstecher in die Vergangenheit und die Gegenwart des Fußballs. Die Wiege des BV Borussia 09 Dortmund stand am Borsigplatz und hier führte mein Weg hin. Im Nahe gelegenen Hoesch-Park hatte der Verein seine erste Spielstätte. Auch wenn die Borussia hier nicht mehr kickt, der Park ist immer noch ein beliebtes Sportgelände.

Und so geht eine erlebnisreiche Zeit zwischen Fußball, Kunst und Industriekultur zu Ende.

 

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Kommentare»

1. Christian Schäfer - 4. Juni 2011

Hallo

Es ist auch mal schön, die eigene Heimat aus der Sicht eines Touristen beschrieben zu bekommen. 🙂

Glück auf!
Christian.


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